Galerie Dorothea van der Koelen


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KARL-HEINZ ADLER


Karl-Heinz Adler hat durch zahlreiche Ausstellungen europaweit geholfen, das Bild der Konstruktiv-Konkreten Kunst durch neue Sichtweisen zu erweitern. Was dabei nicht immer gesagt wird ist, dass er unbeirrbar der inneren Linie dieser alten und doch immer wieder neuen Kunst folgt. Er zählt damit zu den Besten.

Eugen Gomringer

Adler.
 

Experimentieren und sich am Experiment entwickeln, die Schule der Moderne absolvieren und sich daraus ein eigenes Programm gestalten, Postulate der Kunst in Frage stellen und daraus eigene Prämissen schaffen.

Durch Schichtung und Reihung serieller Elemente oder von Farben, entstehen bei Anwendung offener Methoden und wandlungsfähiger Systeme, in Abhängigkeit von den inneren und äußeren Bedingungen sowie des organischen Aufbaus meiner Werke, vielfältigste Varianten. Es gibt dabei keine nur einzige richtige, beste Lösung.

Meine den Werkgruppen zugrunde liegenden Konzepte bzw. Systeme greifen damit den Gedanken der Relativität auf. Sie sind offen für Veränderung, auch für den Zweifel. Sie unterliegen ihrem Wesen nach der immerwährenden Wandlung und Bewegung.

Karl-Heinz Adler, 2005

Mein »Experiment Konkret« – eine Art philosophischer Weltbetrachtung unter Verwendung bildnerischer Mittel

- Das System und die Methode
- Das Prinzip des Seriellen und der Schichtung
- Die räumliche Illusion
- Die Relativität alles Seienden
- Der ewige Prozeß von Formung, Zerstörung und Neuformierung – vom Chaos zur Ordnung, von der Ordnung zum Chaos

Dieses Gedankengut prägt meine Tätigkeit seit der 2. Hälfte der 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Beispiele dafür sind die Papiercollagen, die Glas-oder Pressspan-Reliefs aus elementaren gleichen geometrischen Elementen.

Auf der Suche nach Minimalisierung der gestalterischen Mittel kam ich zu den Werkgruppen der Seriellen Lineaturen, die verstärkt die Illusion unterschiedlichster Räumlichkeit, von Bewegung und Zeitabläufen, also der 4. Dimension, assoziierten.

Die Relativität alles Seienden liegt besonders auch meiner Malerei zu Grunde. Mit meinem System der konkreten malerischen Farbschichtung, deren Flächen aufgrund der entwickelten Methode vibrieren und pulsieren, versuche ich das Orthodoxe in der konkreten Malerei – die Erhaltung der planen Fläche zu durchbrechen, indem ich eine räumliche Illusion entstehen lasse. Das geschieht durch die unauflösbare Verbindung der Linien, der Strukturfelder, mit der transparenten Farbigkeit der Bilder. Die wiederum ist Resultat der Lichtbrechung durch die Stofflichkeit der Farbpigmente und des Pinselabdruckes der Grundierung, was in unserer Wahrnehmung vielfältigste Valeurs entstehen läßt. Das Bild wird von mir also quasi nicht selbst gemacht, sondern macht sich selbst, ist Resultat der Methode.

Mit geht es darum:

- Farbe, Form und Raum im Bild zur Symbiose zu führen
- Keine perspektivisch naturhaften Räume entstehen zu lassen
- Zerstören und Zerteilen des Bildes an den Strukturlinien
- Neuformierung der Teile zu unterschiedlichsten irregulären Bildobjekten bis zu Installationen im Raum

In Abhängigkeit der Relativität meiner Wahrnehmung und Vorstellung sowie des mich umgebenden Raumes, kann ich auf Grund des entwickelten wandlungsfähigen Systems zu immer wieder neuen, echten Varianten, verbunden mit neuen Wahrnehmungsqualitäten kommen.

Meine Arbeiten folgen dem in Natur und Universum waltenden Prozess der ewigen Formung, Zerstörung und erneuten Formierung. Durch das subjektive Filter meiner Persönlichkeit, durch die spezifische Anwendung der malerischen Mittel, versuche ich Naturgesetze sichtbar zu machen und Erkenntnisse zu erweitern. Malerei ist verfeinerte philosophische Weltbetrachtung mit Hilfe bildnerischer Mittel.

Karl-Heinz Adler, 2005

Licht und Stofflichkeit sind die Ausgangspunkte für das Erleben von Farbe

Das Licht ist für den Menschen unsichtbar. Erst, wenn es auf die in der Erdatmosphäre massenhaft vorhandenen Materieteilchen trifft, wird es von diesen reflektiert und durch das Auge wahrgenommen. Oder anders ausgedrückt und konkretisiert: Das Licht erscheint den Menschen farblos, bzw. weiss, da es alle Farben in sich trägt und diese vermischt, weiss ergeben. Es ist für mich eine große Symmetrie. Erst durch den Symmetriebruch erlebt der Mensch Farbe, d.h. durch die verschiedene Stofflichkeit der Objekte unserer organischen oder anorganischen Welt, auf die Licht fällt und Teile davon absorbiert und andere reflektiert. Damit entsteht ein gewisser Schattenbereich, der Bereich der Farben. Als Schattenbereich bezeichne ich also jene Zone, wo Licht gebrochen, absorbiert oder reflektiert wird, wo kein volles Licht mehr vorhanden ist und somit Farben entstehen. Je mehr Licht, umso mehr verblassen Farben.

Zum Beispiel, fällt das Licht auf eine relativ stofflich neutrale , reine Quarzsandfläche, werden alle Lichtstrahlen gleichmässig absorbiert und reflektiert. Wir sehen eine farblose, weißlich graue Masse.

Ist dieser Quarzsand aber kupferoxydhaltig, d.h. stofflich verändert, werden alle gelben und rötlichen Farbstrahlen des Lichtes von dem Stoff Kupferoxyd verschluckt und nur der grün/blaue Bereich wird reflektiert und damit sichtbar. Wir erhalten nicht mehr das volle Licht und begeben uns damit in den Bereich der Schatten, d.h. der Farben. Ist der Sand eisenhaltig, was sehr oft der Fall ist, wird die grün/blaue Skala des Lichtes absorbiert und die gelb/rote reflektiert usw.

Auf den organischen Bereich unserer Welt trifft das erläuterte Beispiel ebenso zu. So wird die Welt nach unserer Wahrnehmung gedeutet.

Nun zu meiner spezifischen Methode des Erreichens konkreter Farbschichtungen:

Konkrete Malerei nenne ich sie, weil sie nach einer Methode, einem System, entsteht, die in meinem Fall aus den von mir erkannten und gedeuteten Gesetzen der Naturerscheinungen abgeleitet ist. Sie ist eine Analogie zu Kräften und Abläufen, zu Erscheinungen, die sich bei Lichtbrechungen ergeben. Die Farbe wird als stofflicher Absorbator und Reflektor von Lichtstrahlen genutzt. So wie die Stofflichkeit der Dinge und Gegenstände in unserer Umwelt das Licht verschieden bricht, absorbiert, reflektiert und die Welt uns dadurch zur farbigen Erscheinung wird, nutze und organisiere ich die Farbmaterie, um die Vielfalt unterschiedlicher Farbphänomene entstehen zu lassen. In meiner Malerei spiegelt sich die Welt entsprechend unserer subjektiven Erkenntnis und unserem Empfinden. Durch den subjektiven Filter meiner Persönlichkeit und die spezifische Anwendung der malerischen Mittel, versuche ich Naturgesetze visuell erfahrbar zu machen und damit Erkenntnisse zu erweitern, denn Malerei ist für mich verfeinerte philosophische Weltbetrachtung mit Hilfe bildnerischer Mittel.

Farbe entsteht und wird erlebbar durch das Licht und die Stofflichkeit der Welt. Das Weiss – eine Entsprechung des Lichtes – ist wesentliche Voraussetzung, um Farbe entstehen und wirken zu lassen. Deshalb meine weissen Malgründe. Dabei ist meiner Malerei tatsächlichstes Element der Pinselabdruck.

Auf einen Malgrund, naturfarben, d.h. Leinwand, Pappe, Papier, Pressspan, Holz usw., wird in flockiger Malweise mit dem Pinsel weisse Farbe aufgetragen. So entsteht ein Bildträger - quasi ein Trampolin des Lichtes - welcher den späteren lasierenden, mehrfach geschichteten Farbauftrag valeurreich atmen lässt und feinste Differenzierungen ermöglicht. Entsprechend einer von mir festgelegten Zahlenreihe an den Bildrändern, z.B. I, II, III, IIII usw., werden die sich dort ergebenden Punkte miteinander verbunden. Es entsteht ein diagonales, horizontales oder vertikales Netzwerk, das proportional aufeinander abgestimmt ist und in jedem Feld durch die Progression der Farbschichtung eine andere Farbe entsteht. Zwei Farben werden von mir bestimmt, z.B. rot und grün und entsprechend des strukturellen Feldes exakt von unten nach oben und von rechts nach links auf- und ineinander geschichtet, so dass ein atmender Farbraum von rot zu grün mit der Fülle seiner Mischungen und Valeurs entsteht.

Die so entstandenen Farbräume werden auf der Grundlage des Netzwerkes gesetzmässig zerteilt und neu formiert, indem ich die Strukturteile zu in Form und Farbe unterschiedlich spannungsvollen objekthaften Bildern von organischer Gesetzmässigkeit füge wie wir es in analoger Weise aus Naturerscheinungen kennen. Die Folge der schrittweisen Öffnung der Bildräume in meiner Malerei ist der Verzicht auf das traditionelle Tafelbild. Ich schaffe schwebende, räumliche Objektbilder.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es mir in meiner Malerei nicht allein um das Bild als Ding bzw. Ergebnis geht, sondern ebenso um den Weg, den Prozess, wie das Bild wird, vergeht und wieder neu entsteht. Dabei ist mir die Versachlichung des Malvorganges, bei welchem Informelles weitgehendst ausgeschlossen wird, wichtig, um damit zu gesetz-mäßigen, aus Farben gebauten, geschichteten konkreten Bildern zu kommen, die aus der Methode selbst entstehen und dennoch sich von der traditionellen konkreten Malerei abheben. Konkrete illusionistisch räumliche Malerei, die aus sich selbst entsteht, zerfällt, sich neu formiert. Der Rezipient ist gefordert. Jeder Betrachter soll dabei das finden können, was er bereit ist, finden zu wollen. In meiner Kunst liegt eine Form von Erkenntnis, die nur im Mitvollzug zu erfahren ist und Freiheit für weiteres Denken lässt.

Karl-Heinz Adler, 2004

Gedanken zu meinem »Experiment Konkret«

Seit Beginn meiner freien künstlerisch konkreten Tätigkeit im Jahre 1957 interessierte mich das Aufbrechen des Orthodoxen der planen Flächengestaltung in der Konkreten Kunst. Zunächst waren es meine Schichtungen – die Collagen aus elementaren gleichen geometrischen Elementen, aus Quadraten, Dreiecken, Viertel- oder Halbkreisen, die mittels eines einfachen Systems und seriellen Prinzipes dynamisch räumliche Formkonstellationen ergaben. Noch mehr wurde in den unmittelbar sich anschließenden Glas- und Aquarellschichtungen, die nach den gleichen seriellen Prinzipien wie die Collageschichtungen konzipiert waren, die Illusion von die Fläche sprengender Räumlichkeit ausgelöst. Bewegung, Raum, Leichtigkeit waren bereits hier charakteristische Wirkungsqualitäten.

In meinem Suchen nach Minimalisierung der gestalterischen Mittel, kam ich in den 60er und 70er Jahren über verschiedene Zwischenstadien zu den Seriellen Lineaturen, die insbesondere seit den 90er Jahren verstärkt die Illusion unterschiedlichster Räume, von Konkaven und Konvexen, von Tiefen und Wölbungen assoziierten. Mehr als alle vorangegangenen Werkgruppen täuschten sie Bewegung, Leichtigkeit und Transparenz vor. Dies wurde erreicht auf der Grundlage wandlungsfähiger Systeme und serieller Prinzipien, verbunden mit Verschiebungen selbst gewählter Fluchtpunkte auf realen und imaginären Achsen, in denen sich die Geraden oder gekrümmten Linien der zweidimensionalen Fläche bündeln und Bilder der dritten Dimension – denkt man an den Faktor der Zeit durch die seriellen Abläufe, so auch der 4. Dimension – entstehen lassen.

Seit den 1990er Jahren versuchte ich zudem mit malerischen Mitteln das orthodoxe konkrete Verhältnis von planer Fläche und räumlicher Illusion zu durchbrechen. Der gleichmäßig und plan eingefärbten »heiligen« konkreten Farbfläche setzte ich mit meinen »konkreten Farbschichtungen« die vibrierende und pusierende gegenüber, ohne die Transparenz meines Konzeptes bzw. des dafür entwickelten Systems zu verlassen. Das geschah in der unauflösbaren Verbindung meiner Linien mit der Farbe. Die Grundierung des Bildträgers mit Weiß erfolgt differenziert, im freien, tupfenhaften Gestus. Über diese zieht sich ein Netz horizontaler, vertikaler oder diagonaler Linien, deren Abstände sich nach einer vorausgesetzten Regel verändern. Darüber schichte ich mit 2 transparenten reinen Farben, ebenfalls nach einer vorkalkulierten Abfolge entsprechend der Linienfelder in mehrfachen Lagen die Farbe. Durch die unterschiedliche Anzahl der über die weiße Grundierung gelegten Farbschichten in jedem linear begrenzten Feld, gewinnte die Bildfläche eine unvorhersehbare Fülle an Nuancen, an Tiefen und Untiefen, an Raum. Das alles ist Resultat der Lichtbrechungen, die die Grundfarbe in Verbindung mit der Anzahl der transparenten Überschichten hervorruft und in unserer Wahrnehmung vielfältigste Valeurs entstehen lassen. Das Bild wird also quasi nicht von mir selbst gemacht, sondern macht sich selbst, ist Resultat der Methode.

Um Farbe, Form und Raum in ihrer teils gegensätzlichen Wirkungsqualität im Bild zur Symbiose zu führen und keine perspektivisich naturhaften Räume entstehen zu lassen, teile ich an bestimmten Strukturlinien des Feldes den Bildträger in 2 oder auch mehrer Teile. Mit diesen abgetrennten Strukturteilen komponiere ich intuitiv neue, irreguläre Bildobjekte.

Karl-Heinz Adler


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